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36 Stunden unvorhergesehenes Segelabenteuer mit Sturm

Seit über einer Woche sind wir wieder in Las Palmas. Eigentlich sind wir nicht wirklich weg gewesen. Nur mal schnell die Insel runter gesegelt und raufgefahren. Aber diese 36 Stunden haben es in sich gehabt. Wie ich bereits im vorigen Tagebucheintrag geschrieben habe, wollten wir am 20. November mit 150 anderen Booten starten, um den Atlantik zu überqueren. Das hat auch gut geklappt. Der Tag (Sonntag) war sehr windig, die Voraussichten waren im Prinzip gut mit 20 Knoten und teilweise Böen bis zu 25 Knoten auf Höhe des Flughafens Las Palmas. Wir waren an dem Tag nervös und in freudiger Erwartung dieses Events. Als wir um 11.30h aus dem Hafen fuhren, wurden wir von vielen Menschen am Pier beklatscht und mit guten Wünschen eingedeckt. Das war ein sehr emotionaler Moment. Die Startlinie war relativ weit draussen und wir mussten uns so aufstellen, dass wir einen guten Start hinlegen konnten. Fast eine Stunde haben wir mit anderen Schiffen im Hafen hin und her gekreuzt und haben an einem bestimmten Punkt unsere Segel gesetzt. Ein Kriegsschiff wurde extra platziert, um die Startlinie zu signalisieren. Es gab um 12.30h einen Startschuss und wir hatten einen wirklich guten Start. Es waren richtig schöne Segelstunden. Guter Wind, gute Wellen. Es hätte so weiter gehen können, wenn der Wind nicht aufgefrischt auf 30 Knoten und sich dann mit 35-40 Knoten zu einem kleinen Sturm entfacht hätte. Es war sehr rumpelig und uns war phasenweise (kotz)übel. Tagsüber geht das ja noch. Da kann man zum Segel hochschauen und irgendwie reagieren. Denn das Grosssegel muss man zwischen Seilen hoch- und runterlassen. Was nicht so einfach ist bei hohem Wellengang und stürmischem Wind. In der Nacht wird es fast unmöglich, ohne dass man Fehler macht und das Segel beschädigt. Runterlassen geht ja noch. Das haben wir an einem bestimmten Punkt auch gemacht. Nur leider wussten wir nicht, dass man das Seil, welches das Grosssegel hochzieht, am Mast festmachen muss, damit es kein Spiel hat. Das hätte geheissen: Rauf auf den Mast und das Seil festmachen. Nun – bei diesem Wind geht man nicht einfach mal so ein paar Meter hoch auf den Mast. Das ist sehr gefährlich. So konnte das Seil hin- und herschlingern und der Wind hat es fertiggebracht, das Grosssegel ein wenig aus dem Lazy Bag (dort, wo das Segel drinnen ist) zu ziehen. Irgendwann in der Nacht haben wir entdeckt, dass das Segel auf der Seite der Flybridge runterkommt. Das war beängstigend. Auch wenn Nic gesagt hat, dass die Seile halten und es nicht komplett runterkommen kann (also ganz aus dem Lazy Bag), war ich natürlich sehr verunsichert und habe irgendwann das Segel zu halten begonnen (es gibt einfacheres und schöneres). Als dann um 08.00h die Sonne aufging, konnten wir überhaupt sehen, was in der Nacht passiert war. Und haben entdeckt, dass unser Lazy Bag gerrissen war. Das ganze Segel sass irgendwie schräg im Beutel. Wir haben dann das Segel in das 3. Reff hochgezogen, da wir nun wieder sehen konnten und haben dann aber entschieden, dass es für uns zu gefährlich wäre, den Atlantik so zu überqueren. Im Wissen, dass noch 20 Tage vor uns liegen und wir ja keine Ahnung haben, wie die Wettervorhersagen sind (Gestern hatten die Schiffe, die unterwegs sind, z.B. 4m hohe Wellen). Das Wetter wurde immer noch nicht besser und es machte es auch nicht einfacher, dass wir nun die Wellen (ca. 3m hoch, in kurzem Abstand) gegen uns hatten. Wir haben uns von 08.00h morgens bis um 01.30h nachts quasi 16 Std. durch den Wind und die Wellen gekämpft. Als wir dann wieder in Las Palmas angekommen sind, waren wir einfach nur glücklich, den «Event» gut überlebt zu haben. Und komplett erschöpft. Auf diesem Trip sind so einige Dinge kaputt gegangen, nicht nur der Lazy Bag. Wir haben entdeckt, dass die Wellen auch unseren 40kg. Anker weggerissen haben (!). Zudem sind Dekorsachen, wie eine Schale und eine Lampe auf den Boden gefallen und zersprungen. Und auch einige Kratzer von herumfliegenden Gegenständen haben wir in Kauf nehmen müssen. Unserer Makhanee scheint der Trip aber nicht geschadet zu haben – Zum Glück! Wir haben uns relativ schnell die Frage stellen müssen: Wie weiter? Für uns war klar, dass wir Ruhe brauchen. Dass wir uns die Zeit nehmen müssen, uns viel besser auf eine Atlantiküberquerung vorzubereiten. Vor allem ich muss viel mehr Erfahrung haben. Es ist alles auf Nic’s Schultern gelastet. Unsere Freunde haben ihre Sache sehr gut gemacht, aber leider auch keine Segelerfahrung. Im Rückblick naiv, so den Atlantik überqueren zu wollen. Aber wieso haben wir uns so eine Überfahrt bereits antun wollen fragt ihr euch besimmt? Im Mai 2021 hatten wir unser Boot bestellt auf Ende Mai 2022. Unser Plan war, Ende Juni ins Mittelmeer zu stechen, dort die nötige Praxis für mich zu holen, um dann Mitte/Ende Oktober nach Gran Canaria zu segeln. Aufgrund dieser Planung haben wir uns bereits letztes Jahr im November für den ARC angemeldet, da wir wussten, dass dieser immer gut ausgebucht ist und wir unbedingt dabei sein wollten. Nun – meistens kommt es anders, als man denkt.... Durch die ganzen Lieferverzögerungen (COVID, Krieg), war alles komplett verspätet und wir mussten direkt von Lissabon über Gibraltar nach Gran Canaria segeln (Unser Boot haben wir erst am 10. Juli in Empfang genommen, danach sind wir 10 Wochen in Lissabon bei unserem Agenten festgesessen und konnten erst Ende September los Richtung Gibraltar. Dorthin mussten wir aus steuertechnischen Gründen). Wir hatten keine Zeit, zu üben. Zudem sind wir auch Verpflichtungen eingegangen mit diversen Freunden, die wir nicht so leichten Herzens wieder absagen wollten (u.a. auch mit unserer Crew). Wir wollten zu viel in zu kurzer Zeit. Wie geht es uns? Nic war nach dieser anstrengenden Zeit mental ausgelaugt. Ich habe meinen Mann nicht oft so gesehen. Er wollte nach seinem stressigen Arbeitsleben endlich in seine Ruhe kommen. Durch die grosse Verantwortung, die ein Skipper mit eigenem Boot mit sich bringt, war er noch angespannter als zu seiner Zeit im Arbeitsleben. Das war schrecklich mitanzusehen. Auch zwischen uns hat es dadurch enorme Spannungen gegeben. Daher hat er sich entschieden, eine Auszeit von mir und allem zu nehmen und 10 Tage komplett auszuspannen im Allgäu. Es sei ihm gegönnt. In 10 Tagen ist er dann wieder hier bei mir. Ich bin einfach nur froh, hier zu sein auf Gran Canaria. Ich wollte auch nicht weg während der Zeit, in der Nic weg ist. Auch ich hätte irgendwohin reisen können (z.B. in die Schweiz). Aber ich mag unsere Makhanee nicht alleine lassen. Und am Montag starte ich mit einem intensiv Spanischkurs. Ich habe hier alles, was ich brauche. Wir haben uns entschieden, über den Winter hier zu bleiben. Es gibt so viel, das man hier tun kann. Spanisch lernen, Wellen reiten, Wandern gehen, die Stadt erkunden. Und von Zeit zu Zeit aufs Meer, segeln gehen. Uns mehr vertraut mit dem Boot machen. Das Boot reparieren lassen (Lazy Bag, Anker). Leute kennen lernen. Vorstellungen besuchen. Einfach sein und uns treiben lassen. Wir haben alle Zeit der Welt. Wir müssen nicht in 6 Monaten in die Karibik. Das können wir auch noch in 3 Jahren machen. Wir werden im Frühjahr ins Mittelmeer segeln gehen und diese Region besser kennen lernen. Ende gut – alles gut


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