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Ohmmmm.....das kann ich nach der turbulenten Zeit gut gebrauchen...

Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich auf unserer Makhanee, in Fahrt auf dem Atlantik westlich von Marokko, mit Kurs auf die Kanarischen Inseln. Dorthin wollen wir: Nach Teneriffa für eine Woche. Wir treffen unsere Freunde, bevor es nach Gran Canaria geht, wo wir uns auf die Transatlantiküberfahrt am 20. November vorbereiten werden. Es ist Tag 4 auf der Überfahrt und morgen am 7. Oktober 2022 sollten wir ankommen. Obwohl das Wetter gut ist, verhält sich das Meer kabbelig und unruhig und so machen wir wenig. Wir lassen uns hin und her schaukeln, lesen, spielen, schauen auf den nie endenden Horizont und wechseln uns ab mit schlafen und wach sein, denn einer von uns ist immer wach. Aber hier habe ich Zeit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen und euch mitzunehmen auf unser Abenteuer. Vor allem die Wochen ihn Lissabon will ich euch näher bringen also die Zeit, seit der wir ein Boot unser Zuhause nennen. Es ist noch nicht lange her, seit wir uns im Mai 2022 von Singapur verabschiedet haben. Dort haben wir 17 Monate gelebt. Im Mai 2021 haben wir uns entschlossen, unseren Traum Wirklichkeit werden zu lassen und unsere Makhanee bestellt. Lieferzeit: 1 Jahr. Wir waren also frohen Mutes, dass wir unser Boot Ende Mai 2022 in Les Sables d’Olonne in Empfang nehmen würden (Produktionsstätte von Lagoon, dem Katamaran-Hersteller). Am 11. Juli (also 6 Wochen später als ursprünglich geplant) war es dann soweit: Voller Vorfreude auf ein baldiges Lossegeln haben wir unser Boot in Westfrankreich entgegen genommen. Was haben wir für Pläne gehabt für die kommende Zeit: Das Mittelmeer wollten wir besegeln und dann Mitte Oktober zurück Richtung Gibraltar und Kanarische Inseln. Mit was wir zum damaligen Zeitpunkt nicht so richtig gerechnet hatten, waren die langen Lieferverzögerungen durch die weltwirtschaftlichen dramatischen Zuspitzungen der letzten beiden Jahre. Auch wenn wir bereits bei der Lieferung unserer Makhanee 6 Wochen Verspätung hatten, dachten wir allen Ernstes: Das war’s, jetzt geht’s ohne Verspätungen weiter. Wie naiv! Da wir beide noch wenig Katamaran Erfahrung hatten, wurde für die Überfahrt durch die Biscaya von Les Sables d’Olonne nach Lissabon ein erfahrener Skipper engagiert. Das sind 750 Seemeilen und 5 Tage und Nächte auf hoher See. In Lissabon ist unser Vertragspartner. Durch diesen Agenten haben wir unsere Lagoon 46 gekauft. In Lissabon wollten wir sie noch aufhübschen und mit weiteren Verbesserungen ausstatten. Geplant waren dafür zwei Wochen. Wir gingen davon aus, dass wir Ende Juli abfahrbereit wären. Zudem wurde uns vom Transporteur in Singapur versprochen, dass unser Container, welcher unser Hab und Gut aus Singapur transportierte, Mitte Juli auf unser Schiff geliefert werden sollte. Also perfektes Timing. Wir haben praktisch alle Möbel in Singapur gelassen und nur die notwendigsten und für uns wichtigsten Dinge mitgenommen. Aber auch das waren noch 25 Schachteln. Wir haben kein Zuhause mehr in der Schweiz. Unsere Makhanee ist unser Zuhause mit allen Dingen, die wir noch besitzen. Die Einfahrt bei Sonnenuntergang in Lissabon, nach so vielen Tagen auf dem Meer, war magisch. Du siehst die bekannte Hängebrücke (ponto do 25 avril) und denkst: Jetzt dann gleich. Und das denkst du ca. 60-90 Minuten lang, bis dass du dann endlich unten durch bist. Unsere Marina, in welcher wir die nächsten 10 Wochen verbringen durften, ist eine Arbeitsmarina. Das hiess: Lärm, viel Lärm. Vor allem von der Brücke, vom Containerhafen, von der Anflugschneise nach Lissabon und nicht zu vergessen, die vielen Clubs, welchen wir keinen von innen gesehen haben, die aber freundlicherweise um 06.00Uhr die Türe aufmachten, damit wir bis 08.00Uhr auch noch was von der Musik hatten. Die Marina war nicht schön und das Meer schmutzig. Mir tat unsere Makhanee leid, dass sie für so lange Zeit in diesem Schmutz liegen musste. Aber die Marina war auch praktisch. Nahe zur Stadt (4km), so dass wir oftmals in die Stadt gelaufen sind und wieder zurück. Wir sind in der Zeit viel gelaufen. Zudem hatten wir um die Ecke viele tolle Restaurants. ​ Relativ schnell war klar, dass viele bestellte Produkte gar noch nicht in Lissabon waren. Lieferverzögerungen.... Zum Teil war auch nicht sicher, ob und wann die kommen würden. Und es waren wichtige Sachen, wie z.B. der Generator, ohne den man nicht unbedingt weit reisen möchte. Denn erst mit dem Generator hat man 240 Volt, so dass alle Haushaltsgeräte laufen können (wenn man dann nicht in einer Marina ist und Strom von dort erhält). Irgendwann im Juli (also dann als wir den Container aus Singapur erwarteten), gabs die nächste Hiobsbotschaft, und zwar dass unser Container später käme. Wir hätten mit 2-3 Monaten zu rechnen. Wir hatten also einige Unsicherheiten in unserem Leben: Wann würden wir tatsächlich lossegeln können? Kommt alles zur richtigen Zeit? Kommt auch wirklich ALLES? Bei mir kamen Unsicherheiten/Ängste auf in Zusammenhang mit dem Segeln. Nic hat schon viel Erfahrung sammeln können. Er hat den Hochseeschein gemacht und daher schon einige Seemeilen hinter sich gebracht. Ich nicht. Würden wir ohne Schaden ab- und anlegen können? Würden wir das Boot sicher durch die Häfen und über das Meer schippern können? Würde alles auch wirklich funktionieren, wenn wir dann mal losgesegelt sind? Ich wusste, dass ich da durch musste, da ich das wollte. Aber ich habe mir wirklich fast in die Hosen gemacht. Und so war es mir auch egal, dass wir praktisch nie aus der Marina von Lissabon loszogen. Es war einfach so sicher im Hafen... ​Einmal hatten wir uns dann doch entschieden, ein Wochenende loszudüsen. Wir wollten ankern gehen. Nun, auch das ist wieder eine Geschichte für sich. Nur soviel: Wir haben gefühlt 20x den Anker hoch und runter gelassen in drei verschiedenen Buchten. Alles war uns zu unsicher und leider hat uns vorher auch niemand mitgeteilt, dass die Küste südlich von Lissabon kein Anker-Revier für Katamarane ist sondern nur für kleinere Segelschiffe. Wir haben zwar in einer Bucht übernachtet, jedoch zu nah an einem anderen Segelboot, so dass wir uns um 21.00Uhr kurzfristig entschieden haben, nochmals neu zu ankern. Leider wurde unser Anker von einer sehr alten Bojenkette, welche auf dem Grund lag, gehindert, nach oben zu kommen, so dass wir an der Kette übernachten mussten (also unser 40kg Anker an einer Bojenkette, welche quer über unserem Anker lag....) Wir haben nicht gut geschlafen. Am nächsten Tag haben wir dann die Kette von unserem Anker losmachen können. Die Details erspare ich euch. Es war mühsam und abenteuerlich und wir danach fix und fertig. Nach diesem Wochenende war ich wieder froh, in der sicheren und schmutzigen Marina zu sein. Sie war mittlerweile unser Zuhause geworden. Nochmals raus? Nö, eher nicht. Wir haben während der 10 Wochen in Lissabon auch viel von Portugal gesehen. Wir sind ins Alentejo und Douro Gebiet, nach Porto, Cohimbra, Sintra, um nur einige der Städte zu nennen. Und natürlich Lissabon! Portugal ist ein wunderschönes Land und wir können es wärmstens empfehlen. Irgendwann wurde uns dann auch noch mitgeteilt, dass wenn wir Portugal verlassen (EU-Zone), wir als Schweizer die 19% MWST nicht bezahlen müssten, falls wir das Boot in ein Nicht EU Land ausklarieren (in dem Fall am einfachsten Gibraltar), so dass wir quasi unser Boot ausführen (wie wenn wir in Deutschland shoppen gehen und dann die MWST zurück erhalten). Da wir es aber nicht in die Schweiz einführen, entfällt auch die MWST von 8% in der Schweiz. Wir behalten also die vollumfängliche 19%, die wir nicht bezahlen müssen. Das ist für uns ein Glücksfall, denn mit dem gesparten Geld können wir sehr lange leben. Aber eben, wir mussten von Lissabon nach Gibraltar segeln, bevor wir zu den Kanarischen Inseln gehen würden. Wir hatten zwei Termine, die nicht verschiebbar waren: Am 9. Oktober in Teneriffa, denn dort würden wir Freunde treffen und am 20. November die Atlantiküberquerung von Gran Canaria nach St. Lucia. Schlussendlich kam dann der Tag des Abschieds von Lissabon. Es war der 23. September. Alles war nun installiert und unsere Schachteln aus Singapur waren erfreulicherweise bereits Anfang September in Lissabon angekommen. Unser Ziel: Gibraltar. Wir hatten zwei volle Tage bis dorthin. Im Gepäck unsere beiden neuen Segel, zum einen den Code 0 (ein Leichtsegel), zum anderen ein Parasail. Das sind zustätzliche, tolle Segel. Das Boot ist standard ausgerüstet mit einer Genua (Vorsegel) und mit dem Hauptsegel. Unsere beiden neuen Segel sind nach unseren Vorstellungen mit unserem Logo gemacht worden, also sehr edel und schön. Das Code 0 ist sehr heikel. Es wurde trotzdem montiert (wäre nicht nötig gewesen, haben wir aber nicht gewusst) und wir sind damit losgefahren. Der Parasail hingegen war sicher verstaut in einem der Bugkabinen. Ich habe bereits mitgeteilt, dass ich ein totaler Neuling bin. Lernfähig und praktisch veranlagt, aber eben – Neuling (und tüchtig und ordentlich!). Also – als wir unsere Fallseile (alle Seile, die man so braucht, um die beiden Segel -Vor- und Hauptsegel) hoch- und runterzulassen, ordneten, habe ich bemerkt, dass jeweils am Ende ein (Sicherheits-) Knoten in den Seilen war. Da ich eben ordentlich bin, habe ich die Seile entknotet. Ein sehr grosser Fehler! Wir sind mit dem Vorsegel gesegelt (plus Motor) und ich habe mit Nic zweimal ausprobiert, wie das Segel hoch und runter getan werden muss. Als wir dann am Abend das Segel runterholen wollten, sagte ich zu Nic, dass ich das gerne tun wolle. Gesagt, getan. Mit was ich nicht gerechnet hatte, war mit dem starken Wind (und Wellengang) und so habe ich das Seil losgelassen und da der Knoten nicht mehr am Ende im Seil war, ist es durch die Sicherheit durch und wir hatten vorne ein loses, flatterndes Segel. Nun – bei einem Katamaran sind das keine kleinen Segel. Auch hier erspare ich euch die Details, auf jeden Fall haben wir mit unseren Fahrradhelmen irgendwo vor Sintra (Küste Portugal) versucht, das Segel wieder einzufangen. Stockdunkel, ziemlicher Wellengang mit Wind. Wir haben es nach einer Stunde geschafft und vor Freude fast geheult. Denn die Aktion war nicht ganz ungefährlich. Das Vorsegel konnten wir jedoch nicht mehr einrollen. Nic hat dann später am nächsten Tag herausgefunden, an was es lag, aber bis dann sind wir halt mit dem Segel durch die Nacht gefahren, auch wenn das Segel auf der falschen Seite lag. Was soll’s, es gibt Schlimmeres. Wir hatten 20-30 Knoten Wind am nächsten Tag in der Algarve und das hat dem Code 0 gereicht, sich selbstständig zu öffnen. Da wir dieses Segel nicht sofort einholen konnten, da das Vorsegel davor war, passierte, was passieren musste: Es zerfetzte. Das schöne Segel, noch nie gebraucht, nur mit dem Agenten getestet – komplett kaputt! Auch da erspare ich euch die Details. Es war nicht schön und die Bergung eines Segels von 170qm2 nicht gerade einfach, aber wir haben es geschafft. Wir sind dann am 25. September in Gibraltar eingetroffen. Gesund und munter. Fazit von diesen verschiedenen Abenteuern: Wir sind zu einem super Team zusammengeschweisst und arbeiten wenn es hart auf hart kommt, Hand in Hand. Wir hoffen natürlich jetzt mal, dass wir genügend Lehrgeld für die kommenden Wochen/Monate/Jahre bezahlt haben und das Abenteuer vor allem geniessen können. Fakt ist: Wir wollen beide immer noch dieses Leben. Das Gefühl, wenn man auf See ist, weit weg von allem, ist unbeschreiblich. ​



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